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150 Jahre österreichisches Hospiz in Jerusalem


Am 19. März des Jahres 1863 bezog der erste Pilger - Franz Kreil aus Prag - das Gästehaus "Österreichisches Hospiz zur Heiligen Familie", das einige Jahre zuvor durch den damaligen Wiener Erzbischof Josef Othmar Ritter von Rauscher gestiftet wurde und seine Ausführung dem Einfluss Kaiser Franz Josefs bei der Hohen Pforte in Istanbul verdankt.

Eine "Heimstatt am Grabes der Erlösers" für alle Pilger aus den Ländern der damaligen Monarchie sollte es sein. Auch heute noch soll diesem Auftrag mit Hilfe der zahlreichen Mitarbeiter und Volontäre nachgekommen werden.
Weihbischof Dr. Franz Scharl eröffnete mit einem feierlichen Pontifikalamt dieses Jubiläumsjahr "150 Jahre Österreichisches Hospiz". In seiner Predigt kam er auf die vielfältigsten, nicht immer einfachen Details unserer Entstehungsgeschichte ebenso zu sprechen wie auf die Herausforderungen unserer Zeit.

Das Armenisch Apostolische Patriarchat von Jerusalem, das Griechisch-Katholische Patriarchat sowie der Propst der Lutherischen Erlöserkirche als auch der Prior des Dominikanerkonvents Saint Etienne kamen zu den Feierlichkeiten. Der österreichische Botschafter Dr. Franz Josef Kuglitsch gemeinsam mit seiner Gattin, Frau Dr. Maria Kuglitsch, nahmen ebenso an unserem Festgottesdienst teil wie der ungarische Botschafter in Ramallah, Csaba Czibere, und die Leiterin des Deutschen Vertretungsbüros, Barbara Wolf. Aus dem diplomatischen Korps konnte der aus Frankreich angereiste Präsident des Souveränen Malteser Ritterordens, Thierry, comte de Beaumont-Beynac, der Kanzler der Deutschen Statthalterei des Ordens vom Heiligen Grab, Herr Winfried Hinzen, der Direktor des Malteser-Krankenhauses "Zur Heiligen Familie" in Betlehem, Dominique Jacqmin, und die Direktion des Rumänischen Kulturinstituts im Hospiz Haus begrüßt werden.

Zu den Ehrengästen dieses Tages zählten der österreichische Außenhandelsdelegierte Christian Lassnig, Lavinia Jahshan für den Deutschen Verein vom Heiligen Land, Prof. Dr. Ali Qleibo von der Al-Quds-Universität, Pastorin Dr. Petra Heldt und Herr Dr. John Tleel als Vertreter der Griechisch-Orthodoxen Gemeinde in Jerusalem.

Bereits seit den Tagen seiner Gründung versieht das Hospiz auch die Aufgabe einer Kultur- und Bildungseinrichtung. Für das Jubiläumskonzert konnten Anna Magdalena Kokits verpflichtet werden, die auf dem aus dem Jahr 1921 stammenden Bösendorfer mit Werken von Brahms, Toch und Schubert diesem Abend einen eindrucksvollen Abschluss verlieh.

Österreichisches Pilger-Hospiz in Jerusalem wurde vor

150 Jahren eröffnet

Das Österreichische Hospiz in Jerusalem zu Heiligen Familie ist eine Pilgerherberge der katholischen Kirche Österreichs, liegt an der Via Dolorosa in der Nähe des Damaskustores und ist das älteste nationale Pilgerhaus im Heiligen Land. „Heimstatt am Grabe des Erlösers“ will das Hospiz auch heute noch sein. Deshalb will es auch nach wie vor für das leibliche und seelische Wohl der Menschen sorgen. 1847 kam es unter Papst Pius IX. zur Wiedererrichtung des seit dem späten 14.Jahrhundert verwaisten Patriarchalsitzes in Jerusalem. Dass dieser ausschließlich dem Protektorat Frankreichs unterstellt war, ließ in der österreichischen Monarchie Überlegungen reifen, selbst eine sichtbare Präsenz in Jerusalem zu etablieren. Der erste österreichische Konsul in Jerusalem, Graf Josef Pizzamano, fand schließlich den Baugrund Ecke Damaskusstraße und Via Dolorosa.

Anlässlich einer Reise nach Palästina besuchte der jüngere Bruder Kaiser Franz Josephs, Ferdinand Maximilian, Jerusalem, besichtigte den Baugrund und befürwortete das Projekt.
Der Wiener Erzbischof Joseph Othmar Kardinal Ritter von Rauscher beauftragte den Ingenieur-Assistenten im Handelsministerium Anton Endlicher mit dem Bau. Zwecks Gewinnung des nötigen Baumaterials wurden zwei in der Nähe Jerusalems gelegene Steinbrüche angekauft. Sobald im Laufe des Jahres 1855 die Fundamente ausgehoben und die Fundamentmauern errichtet worden waren, fand am Silvestertag 1856 die Grundsteinlegung statt.
Der Legationssekretär der österreichischen Vertretung bei der Hohen Pforte, Franz Ritter von Reyer, schrieb damals nach Wien: „Es wird nicht nur das schönste Hospiz, sondern auch das solideste Gebäude weit und breit im Oriente sein, würdig des mächtigen katholischen Staates, der es errichtet." Am 20. Oktober 1858 konnte der Schlussstein gelegt werden. Die Kapelle, für deren Altar Heinrich von Ferstel den Entwurf lieferte und deren Altarbild von Leopold Kupelwieser stammt, wurde am 19. März 1863 durch den Lateinischen Patriarchen Giuseppe Valerga feierlich eingeweiht. Mit diesem Tag nahm das Hospiz seine Funktion als Pilgerhaus auf.
 Die Eröffnung des Suezkanals 1869 bot für Kaiser Franz Joseph I., unter dessen Titeln sich auch der des Königs von Jerusalem befand, die willkommene Gelegenheit, durch einen Besuch der heiligen Stätten Jerusalems im Namen der Habsburgermonarchie im Heiligen Land eindrucksvoll in Erscheinung zu treten.  Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges diente das Hospiz als Residenz des österreichischen Konsuls, der auch als Schirmherr katholischer und jüdisch-aschkenasischer Bewohner der Stadt amtierte. Im Februar 1918 wurde das Hospiz von den britischen Militärs requiriert und in ein anglikanisches Waisenhaus des „Syria and  Palestine Relief Fund" umgewandelt. Einen Höhepunkt seiner Wirksamkeit erlangte das Haus als während der Zwischenkriegszeit der damalige Rektor Franz Fellinger zum Generalvikar und Weihbischof des lateinischen Patriarchen von Jerusalem aufstieg. Bereits am Tag der britischen Kriegserklärung an das Dritte Reich, dem 3.September 1939, wurde das Hospiz von den britischen Behörden beschlagnahmt.  Im Oktober 1948 übernahm die jordanische Regierung das Hospiz. Ab dem Zeitpunkt der Rückgabe des Hospizes an den Erzbischof von Wien im Juli 1985 begannen die Bemühungen, das Hospiz so rasch wie möglich wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen. Am 19.März 1988 fand die offizielle Wiedereröffnung statt. Der Wiener Bibelwissenschaftler Monsignore Dr. Wolfgang Schwarz wurde zum ersten Rektor bestellt. Sein Nachfolger wurde im Jahre  2004  der Eisenstädter Diözesanpriester MMag.Markus Bugnyar. Das Hospiz ist bei Besuchern und Einheimischen bekannt und beliebt für sein „Wiener Kaffehaus“ und dessen Speisekarte: Apfelstrudel uns Sachertorte, Wiener Schnitzel und Gulaschsuppe.

Am 19.März, dem 150.Jahrestag der Eröffnung  des Österreichischen Pilger–Hospizes, wird ein Dankgottesdienst zelebriert. In der Osteroktav wird der Protektor des Hospizes, Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn von Wien ein feierliches Pontifikalamt zelebrieren. Am 2.Juni widmet sich ein Symposion der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Jahre 1854 (Stiftung) bis zur Eröffnung des Hauses im Jahre 1863. Eine Ausstellung wird weniger bekannte Details der Hausgeschichte beleuchten.

Dr. Heinz Wieser

 

 

Fotos:

Bild 1: Blick vom Dach des Hospizes auf die Altstadt von Jerusalem

Bild 2: Der Rektor des Österr. Hospizes, MMag Markus Bugnyar

Bild 3:  Der Künstler Siegfried Burgstaller hat aus Marmor eine Nachbildung der Gnadenstatue von Mariazell mit Maria in Lebensgröße geschaffen. Sie steht jetzt im Eingangsbereich zum Österreichischen Hospiz an der Via Dolorosa in Jerusalem. Wiens Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn  segnete die Statue bei seiner Pilgerreise ins Heilige Land im Novembe 2007. Der Steirer Karl Barthl, Cavaliere des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, hat mit seinem Cousin Dr. Wolfgang Pinegger das Denkmal gestiftet und hofft, dass es zum Frieden im Heiligen Land beiträgt. Am Sockel der Statue ist zu lesen: Magna Mater Austriae, Mater Gentium Slavorum, Magna Domina Hungarorum.

Bild 4: Eingang zum österreichisches Pilger-Hospiz in Jerusalem

Fotos: Dr. Heinz Wieser