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Statthalter und Großprior

Rücktritt von Erzbischof Kothgasser angenommen

 

Der Papst nahm den Rücktritt unseres Großpriors, des Salzburger Erzbischofs, Dr. Alois Kothgasser, an.


Der Heilige Vater, Papst Franziskus, hat am 4. November den Rücktritt unseres Großpriors, des Salzburger Erzbischofs, Dr. Alois Kothgasser, angenommen und ihn gleichzeitig zum Administrator der Erzdiözese Salzburg bestellt. Erzbischof Kothgasser hatte gemäß dem Kirchenrecht zu seinem 75. Geburtstag am 29. Mai 2012 den Rücktritt eingereicht und um Entbindung von der Verantwortung für die Erzdiözese Salzburg gebeten. Nun wurde dem Ansuchen entsprochen. Bis zum Amtsantritt des neuen Erzbischofs wird Dr. Alois Kothgasser der Erzdiözese als Administrator weiterhin vorstehen.

Er darf in dieser Funktion allerdings keine weitreichenden Entscheidungen treffen. Während der Papst in der Regel freie Hand bei der Bestellung von Bischöfen hat, liegt in der Erzdiözese Salzburg kirchenrechtlich ein Sonderfall vor: Das Salzburger Metropolitankapitel, das aus zwölf Domkapitularen besteht, hat das Recht, aus einem von Rom vorgelegten Dreiervorschlag den künftigen Erzbischof in geheimer Abstimmung zu wählen.

Sobald der vatikanische Vorschlag in Salzburg eintrifft, hat das Domkapitel 90 Tage Zeit, um den Erzbischof zu wählen. Der frühere Innsbrucker Diözesanbischof, Metropolit der Kirchenprovinz Salzburg und Oberhirte der Erzdiözese Salzburg wurde am 23. November 2002 vom Salzburger Metropolitankapitel zum 89. Nachfolger des hl. Rupertus und 78. Erzbischof von Salzburg gewählt. Dr. Alois Kothgasser wurde am 19. Jänner 2003 in das Amt eines Erzbischofs von Salzburg eingeführt und trägt als solcher den Ehrentitel „Primas Germaniae" und als Legatus natus ("geborener" Legat des Papstes) den Kardinalspurpur. Er ist auch Oberhirte der 130.000 sich im Tiroler Unterland befindlichen Katholiken.

Der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Liturgie und Kirchenmusik, für die Belange der Priesterseminare, theologischen Fakultäten und Hochschulen zuständige Salzburger Oberhirte ist Mitglied der Kongregation für den Gottesdienst und der Sakramentenordnung an der römischen Kurie und gehört der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche an. Noch während seines Wirkens als Bischof von Innsbruck wurde Kothgasser am 30. Juli 2001 in Maria Plain zum Ritter (Großoffizier) des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem investiert. Der damalige Großmeister dieses päpstlichen Ritterordens, Johan Patrick Kardinal Foley, hat Alois Kothgasser 2008 zum neuen Großprior der österreichischen Statthalterei der Grabesritter in Österreich ernannt. Alois Kothgasser wurde am 29. Mai 1937 in St. Stefan im Bezirk Feldbach in der Steiermark als Sohn einer Bauernfamilie geboren, besuchte das Gymnasium der Salesianer Don Boscos in Unterwaltersdorf in Niederösterreich und legte dort 1957 die Reifeprüfung ab, nachdem er bereits 1955 Mitglied des Salesianerordens wurde.

Nach der Matura absolvierte er ein dreijähriges Erzieher-Praktikum in Unterwaltersdorf und Klagenfurt. Zwischen 1960 und 1965 studierte er am Pontificio Ateneo Salesiano in Turin Philosophie und Theologie. Am 9. Februar 1964 empfing er in der Maria-Hilf-Basilika in Turin aus der Hand von Bischof Giuseppe Cognata SDB, das Sakrament der Priesterweihe. Anschließend setzte er bis 1968 an der inzwischen nach Rom verlegten Salesianerhochschule seine Studien fort und wurde mit einer Dissertation über die Dogmenentwicklung 1968 zum Doktor der Theologie promoviert. Von 1968 bis 1978 wirkte Kothgasser in Rom als Dozent für Dogmatik mit dem Schwerpunkt Theologische Anthropologie und Theologiegeschichte, von 1978 bis 1980 auch als außerordentlicher Professor an der „Universitas Pontifica Salesiana" in Rom. In dieser Zeit war er auch als Leiter des Institutes für Salesianische Spiritualität tätig. In den siebziger Jahren kam er mehrfach als Gastprofessor nach Benediktbeuern und zwei Semester lang auch an die Hochschule nach Bethlehem. Nach der staatlichen Anerkennung der Hochschule Benediktbeuern wurde Kothgasser als Professor für Dogmatik nach Oberbayern berufen. Im Stift Benediktbeuern wirkte er von 1982 bis 1988 als Rektor, von 1988 bis 1994 als Prorektor, ehe er neuerlich die Leitung Hochschule übernahm. Papst Johannes Paul II. ernannte Kothgasser am 10. Oktober 1997 zum Nachfolger von Bischof Dr. Reinhold Stecher und damit zum dritten Bischof der Diözese Innsbruck. Alois Kothgasser, der sein bischöfliches Amt unter den Wahlspruch „Die Wahrheit in Liebe tun" stellte, hat für die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos Großartiges geleistet und gilt als erstklassiger Theologe, der stets bei Exerzitien sein salesianisches Charisma unter Beweis stellen konnte.

Dr. Heinz Wieser