Image
Line

Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren. (Psalm 137,5)

In diesen Tag haben sich die Erklärungen über Jerusalem und ihre Zukunft vervielfacht, und wir sind alle in Sorge über die Gewalt, die entfesselt werden könnte und die unvorhersehbaren Konsequenzen.

Der Heilige Vater, der sich auch auf die verschiedenen UN Resolutionen bezog, verlieh seiner tiefen Sorge Ausdruck und bat darum, keine neuen Ausreden für mehr Gewalt im Nahen Osten zu schaffen, sondern den Status Quo in der Heiligen Stadt zu bewahren, was Besonnenheit zwischen den religiösen Gemeinschaften der drei Glaubensrichtungen und zwischen den zwei Teilen der Stadt voraussetzen sollte, was aber in Wirklichkeit schon seit einiger Zeit beeinträchtigt ist.

Wenn wir die Situation eines offensichtlichen Konflikts bedenken und die rapiden Veränderungen in der Heiligen Stadt betrachten, glauben wir, dass jede einseitige Lösung nicht als eine Lösung angesehen werden kann.

In der Tat ist Jerusalem ein Schatz der gesamten Menschheit. Jeder exklusive Anspruch, sei er politisch oder religiös, widerspricht der eigenen Logik der Stadt. Jeder Bürger Jerusalems und jede Person, die sich hier als Tourist oder Pilger aufhält, sollte in die Lage versetzt werden, auf irgendeine Weise die Botschaft des Dialogs, der Koexistenz und des Respekts wahrzunehmen und sich anzueignen, den die Heilige Stadt ins Gedächtnis ruft und den wir oft durch unser Benehmen verletzen. Jerusalem ist eine Stadt, die willkommen heißen muss, wo Räume geöffnet und nicht geschlossen werden dürfen. Zu lange sind die Bewohner bereits Geiseln dieser anhaltenden Spannungen, die den Charakter der Stadt verzerren.

Es gibt nichts, was Jerusalem in ihrer Einzigartigkeit und Einheit daran hindern kann, das nationale Symbol zweier Völker zu werden, die sie als ihre Hauptstadt beanspruchen. Israelis und Palästinenser sollten eine Einigung erzielen, die ihrem legitimen Bestreben entspricht und die Prinzipien der Gerechtigkeit respektiert. Einseitige Entscheidungen, die die derzeitige Konstitution der Stadt verändern, bringen keine Vorteile, sondern lediglich neue Spannungen und beseitigen die Möglichkeit der Friedensbildung.

Aber wenn Jerusalem heilig für die Juden, Christen und Muslime ist, so ist sie auch heilig für viele Menschen überall auf der Welt, die sie als spirituelle Hauptstadt ansehen und sie als Pilger besuchen, um zu beten und ihre Glaubensbrüder zu treffen.

Der heilige Charakter von Jerusalem ist nicht auf einzelne Orte oder Monumente beschränkt, so als könnten diese voneinander separiert oder von der jeweiligen Gemeinschaft isoliert werden, sondern involviert Jerusalem in ihrer Gesamtheit, die heiligen Stätten und ihre Gemeinden, mit ihren Spitälern, Schulen, kulturellen und sozialen Aktivitäten.

Die zwei Seiten sollten dafür Sorge tragen, den derzeitigen universellen Charakter der Stadt zu bewahren und keinen Aufwand zu scheuen, dass dies der Ort bleibt, wo Juden, Christen und Muslime sich weiterhin in den Straßen der Altstadt begegnen werden, jeder mit seiner eigenen Denkweise und den Traditionen, die trotzdem so einzigartig miteinander verbunden sind.

Die Diskussion über Jerusalem kann daher nicht auf einen territorialen Anspruch oder politische Eigenständigkeit reduziert werden, weil eben Jerusalem einzigartig ist, ist sie das Patrimonium der ganzen Welt und hat eine universelle Berufung, die zu Milliarden von Menschen in der Welt spricht, Gläubigen und Ungläubigen. Eine realistische Lösung des Problems in Jerusalem sollte alle diese Elemente beinhalten.

Lateinisches Patriarchat
8. Dezember 2017

 

Siehe dazu auch: https://www.lpj.org/jerusalem-anspruch-politische/?lang=de