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Papst ruft Grabesritter zu spiritueller Fortbildung auf

Vatikanstadt, 16.11.2018 (KAP) Papst Franziskus hat den Mitgliedern des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem für ihren sozialen Einsatz unter anderem für Flüchtlinge im Heiligen Land gedankt. Gleichzeitig rief er sie dazu auf, sich um ein ernsthaftes und vertieftes Glaubensleben zu bemühen. Sie sollten "nicht vergessen, dass die Hauptaufgabe eures Ordens im geistlichen Wachstum seiner Mitglieder besteht", so der Papst am Freitag bei einer Audienz für die Leitungsversammlung des Ordens.

Die Aufnahme in den Orden sei keineswegs eine Ehrung, mahnte der Papst. Auch sei der Orden keine Hilfsorganisation zur Verbesserung der materiellen und sozialen Lage seiner Zielgruppen. Zentraler Auftrag der Gemeinschaft sei die christliche Nächstenliebe, um darin Gottes Güte und Sorge für alle Menschen zu zeigen. So lobte der Papst, dass die Weiterbildungs- und Hilfsangebote der Grabesritter im Heiligen Land allen Menschen offen stünden. Auf diese Weise verbreiteten sie christliche Werte und trügen zu Dialog und Begegnung bei.

In seiner Ansprache betonte Franziskus ebenfalls, dass der Orden in den vergangenen Jahren gewachsen sei und es vielerorts neue Niederlassungen gebe. Umso wichtiger seien geistliche Fortbildungsangebote für die Ordensritter und -damen, ein intensives Gebetsleben, Lektüre der Heiligen Schrift und die vertiefte Kenntnis der kirchlichen Lehre.

In den vergangenen Tagen hatte die Ordensleitung ihre alle fünf Jahre in Rom stattfindende Generalversammlung abgehalten. Dabei ging es vor allem um Aufgaben und Profil der Statthaltereien, wie die nationalen oder regionalen Gliederungen genannt werden.

Ordensangaben zufolge spenden die Grabesritter jährlich 15 Millionen Euro für Heilige Stätten und Projekte in Israel, Palästina und Jordanien. Sie stellen damit zugleich rund 80 Prozent des Budgets des Lateinischen Patriarchats, der katholischen Kirchenleitung im Heiligen Land. Laut Generalgouverneur Leonardo Visconti di Modrone hat sich das Spendenaufkommen der Ordensmitglieder in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.

(c) Kathpress

Die Botschaft von Papst Franziskus an die Mitglieder der Consulta:

Liebe Brüder und Schwestern!

        Ich empfange Sie zum Abschluss der Consulta der Mitglieder des Großmagisteriums und der Statthalter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Ich grüße und danke Kardinal-Großmeister Edwin O’Brien sowie dem Pro-Großprior Msgr. Pierbattista Pizzaballa. Ich grüße die Mitglieder des Großmagisteriums sowie die Statthalter der Länder und Orte, an denen der Orden vertreten ist. Und ich grüße durch Sie die ganze Familie der Ritter und Damen der ganzen Welt. Ich denke an jeden von Ihnen mit Dankbarkeit für die zahlreichen spirituellen und karitativen Aktivitäten, die Sie zugunsten der Bevölkerung im Heiligen Land durchführen.

        Sie sind für die Arbeiten der Consulta zusammengekommen, Ihrer Generalversammlung, die Sie alle fünf Jahre am Sitz Petri halten. Hier im Vatikan sind Sie in gewisser Weise zu Hause, insofern als Sie eine alte päpstliche Institution sind, die unter dem Schutz der Heiligen Stuhles steht. Seit der letzten Consulta im Jahr 2013 ist die Zahl der Mitglieder des Ordens angewachsen und seine geographische Ausdehnung hat zugenommen durch die Schaffung neuer Niederlassungen an der Peripherie, durch die materielle Unterstützung, die Sie den Kirchen im Heiligen Land gebracht haben und durch die Pilgerfahrten, die Ihre Mitglieder unternommen haben. Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung der pastoral und kulturell nutzbringenden Programme und ermuntere Sie, Ihr Engagement an der Seite des Lateinischen Patriarchates fortzusetzen, indem sie sich der Flüchtlingskrise stellen, die die Kirche in den fünf vergangenen Jahren dazu gebracht hat, in der ganzen Region eine bedeutende humanitäre Hilfe einzurichten.

        Es ist ein gutes Zeichen, dass Ihre Initiativen im Bereich der Ausbildung und der medizinischen Versorgung für alle offen sind, unabhängig davon, welcher Gemeinschaft oder religiösen Konfession sie angehören. Sie tragen auf diese Weise dazu bei, das Terrain vorzubereiten, damit die christlichen Werte bekannt sowie der interreligiöse Dialog, die wechselseitige Achtung und das gegenseitige Verständnis gefördert werden. Mit anderen Worten, durch Ihr verdienstvolles Engagement tragen Sie auch zum Aufbau des Weges bei, der – wie wir alle hoffen – zur Erlangung des Friedens in der ganzen Region führt.

        Ich weiß, dass Sie diese Woche Ihre Aufmerksamkeit auf die Rolle der Leiter vor Ort oder Statthalter gerichtet haben, die in über dreißig Ländern und in den Regionen der Welt vertreten sind, in denen Ihr Orden aktiv ist. Natürlich hängt das Wachstum des Ordens von Ihrem unablässigen und stets neuen Engagement ab. In dieser Hinsicht ist es wichtig, nicht zu vergessen, dass die Hauptaufgabe Ihres Ordens im geistlichen Wachstum seiner Mitglieder besteht. Folglich kann der Erfolg Ihrer Initiativen nicht auf angemessene religiöse Fortbildungsprogramme verzichten, die sich an jeden Ritter und jede Dame richten, damit sie ihre unerlässliche Beziehung mit dem Herrn Jesus festigen, und zwar vor allem durch das Gebet, durch die Betrachtung der Heiligen Schrift und durch die vertiefte Kenntnis der kirchlichen Lehre. Als Leiter haben vor allem Sie die Aufgabe, das Beispiel eines intensiven geistlichen Lebens und einer konkreten Zugehörigkeit zum Herrn zu geben: So können Sie Ihre Autorität als vollwertigen Dienst für jene ausüben, die Ihrer Leitung anvertraut sind.

        Was dann Ihren Auftrag in der Welt angeht, so dürfen Sie nicht vergessen, dass Sie keine philanthropische Hilfsorganisation zur Verbesserung der materiellen und sozialen Lage Ihrer Zielgruppen sind. Sie sind berufen, die im Evangelium grundgelegte Nächstenliebe in den Mittelpunkt zu stellen und sie zum letztendlichen Ziel Ihres Wirkens zu machen, um darin Gottes Güte und Sorge für alle Menschen zu bezeugen. Die Aufnahme von Bischöfen, Priestern und Diakonen in Ihren Orden stellt in keinem Fall eine Ehrung dar. Es gehört zu Ihren Pflichten im pastoralen Dienst, diejenigen zu unterstützten, die eine verantwortliche Rolle übernehmen, indem Sie Anlässe zu gemeinschaftlichem liturgischen Gebet auf allen Ebenen und immer wieder Angebote zu geistlicher Unterweisung und Katechese organisieren, damit die ständige Fortbildung und das Wachstum aller Elemente des Ordens sichergestellt sind.

        Vor dem Angesicht der ganzen Welt – die den Blick allzu oft abwendet – spielt sich die dramatische Situation der in immer größerer Zahl verfolgten und getöteten Christen ab. Zusätzlich zum Blutmartyrium gibt es auch das „weiße Martyrium“ wie man es zum Beispiel in demokratischen Ländern feststellt, wenn die Religionsfreiheit eingeschränkt wird. Ich ermahne Sie, mit Ihrem Werk der materiellen Unterstützung der so hart geprüften Bevölkerungen stets das Gebet zu verbinden, stets die Heilige Jungfrau anzurufen, die Sie unter dem Namen „Unsere Liebe Frau von Palästina“ verehren. Sie ist die wohlwollende Mutter, die Hilfe der Christen, für die sie vom Herrn Kraft und Trost im Leiden erwirkt.

        Möge die Ikone Unserer Lieben Frau der verfolgten Christen, die ich in Kürze weihen werde und die Sie alle bekommen, um sie in Ihre jeweiligen Statthaltereien mitzunehmen, Ihren Weg begleiten. Rufen wir gemeinsam die Fürsorge Mariens für die Kirche im Heiligen Land und allgemein im Nahen Osten an durch ihre besondere Fürsprache für die, deren Leben und Freiheit in Gefahr sind. Ich begleite Ihr wertvolles und unermüdliches Wirken mit meinem Segen und bitte Sie, auch für mich zu beten.

 (16. November 2018)