Image
Line

Unser Leitbild

Präambel: Das Leitbild der Österreichischen Statthalterei ist in Verbindung mit den Statuten des "Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem" zu verstehen. Es soll unseren Orden vorstellen und zur Identifikation mit diesem dienen.


1. Unser Zeichen


Die Ordensgemeinschaft hat das fünffache Jerusalemkreuz als ihr Zeichen übernommen. Es war das Wappen und Amtszeichen des Gottfried von Bouillon, der als "Hüter des Heiligen Grabes" amtierte. Es symbolisiert die fünf Wundmale Christi. Die rote Farbe gilt als Zeichen der Liebe und des Geistes Gottes.

 

2. Die Ritter und Damen des Ritterordens vom Heiligen Grab

 

Wir sind eine internationale Gemeinschaft katholischer Christen bestehend aus Männern und Frauen in weltlichen Berufen, Ordensleuten und Priestern, die in der Nachfolge des Herrn und im Bewusstsein seines Todes und seiner Auferstehung zum besonderen Dienst in Kirche und Welt gerufen sind.

Diese Berufung schließt ein, stets mehr zu tun, als an üblicher Pflichterfüllung erwartet wird und sich dabei doch des eigenen Ungenügens bewusst zu bleiben.

 

3. Der Ritterorden und die Kirche

 

Ritterschaft als besondere Ausformung der Tauf- und Firmberufung ist in der Mitte der Kirche angesiedelt und offenbart in eigener Weise das Wesen christlicher Berufung. Gegenüber dem Papst und den Bischöfen sind wir im Verständnis des II. Vatikanischen Konzils mündige Christen und zu achtsamer Treue verpflichtet.

Daher wollen wir in der Welt von heute gewissenhaft, freudig und mutig in unserer Kirche mitwirken und Mitverantwortung tragen.

Der zentrale Ordenssitz ist in Rom, mit einem Kardinalgroßmeister an der Spitze, der jeweils vom Papst aus den Reihen der Kurienkardinäle ernannt wird.

Den Weisungen der Ordensleitung ist zu folgen.

 

4. Das Ritterideal

 

Das christliche Rittertum wurde von der Kirche eingeführt, um einen sehr weltlichen Kriegerstand in den Dienst des Friedens und der Menschlichkeit zu stellen. Die "Ritter vom Heiligen Grab" haben nie Kreuzzüge geführt. Sie stehen in der Tradition der "Geistlichen Ritterorden", deren eigentliche Aufgabe die barmherzige Sorge für das Wohl von Pilgern, Kranken, Bedürftigen und Verwundeten war.

Diesem ritterlichen Friedensdienst verpflichten sich alle Ordensangehörigen, auch wenn das Ordensgelöbnis mit der altehrwürdigen Tradition des Ritterschlags verknüpft ist.

Hauptaufgabe der Ritter und Ordensdamen ist das Zeugnis des Glaubens und seine Bewährung im Tun - vor allem im Dienste der dem Orden aufgetragene Sorge um das Heilige Land, in Treue zum Evangelium und der Kirche, und mit dem Bekenntnis zu Christus, der aus dem Grabe erstanden ist.

 

5. Ritterschaft ist Gemeinschaft

 

Die Apostelgeschichte schildert das Leben der ersten Christen (2, 42): "Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten." So will unsere Ordensgemeinschaft in der Communio mit Christus leben, wobei die Eucharistie im Mittelpunkt des Ordenslebens steht und der Glaube und das Gebet uns verbinden.

Das Ordensleben entfaltet sich zunächst in der Komturei. Sie ist zugleich eine lebendige Zelle der Ordensgemeinschaft im eigenen Land, der Statthalterei. Die Begegnungen mit unseren Ordensgemeinschaften in den Nachbarländern sind uns wichtig und weltweit sind wir in einer großen internationalen Gemeinschaft verbunden.

In unserer Gemeinschaft pflegen wir einen geschwisterlichen Umgang. Wir bestärken einander im Glauben, teilen Freude und Leid miteinander und sind stets zu Hilfe und Versöhnung bereit. Gemeinsam tragen wir die Aufgaben unseres Ordens.

Die Förderung der Spiritualität des einzelnen und der ganzen Ordensgemeinschaft ist ein zentrales Anliegen, um so die geistliche und geistige Gemeinsamkeit zu vertiefen.

 

6. Das Heilige Land

 

Jesu irdische Heimat ist uns ein besonderes Anliegen.

Auch heute ist der Ritterorden vom Heiligen Grab verpflichtet, die Christen im Heiligen Land, in dem Jesus geboren wurde, lehrte, wirkte, starb und auferstand, in jeder Weise tatkräftig zu unterstützen.

Die besondere Sorge gilt der Unterstützung und Förderung des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem.

Dem Heiligen Land gilt auch unser politisches Interesse: Wir unterstützen alle Bemühungen um gerechten Frieden und Versöhnung, verurteilen jedoch Gewalt zur Lösung von Konflikten.

Jede Dame, jeder Ritter sollte wenigstens einmal im Leben eine Pilgerreise in das Hl. Land unternehmen.

Darüber hinaus tragen wir auch für die Ortskirche christliche Mitverantwortung. Jesus Christus hatte zwar seine menschliche Heimat im Heiligen Land, aber gekommen ist er in die Welt.

 

7. Ökumene und Dialog

 

Wir sind offen für die Ökumene mit den christlichen Konfessionen und suchen den Dialog mit anderen Religionen, vor allem den monotheistischen, und mit den Nichtglaubenden.

 

8. Beitrag

 

Der materielle Beitrag soll dem Ritter und der Ordensdame ein Opfer bedeuten und in Relation zu seinem oder ihrem Vermögen stehen. Diese Beiträge kommen dem Heiligen Land zu Gute.

 

9. Kriterien für die Berufung in die ritterliche Ordengemeinschaft

 

Für die Aufnahme wird vorausgesetzt:

- ein christliches Leben in der katholischen Kirche;

- für Verheiratete eine sakramentale Ehe und ein gutes Familienleben;

- im eigenen Lebenskreis menschlich und beruflich anerkannt zu sein;

- gemeinschaftsfähig und -willig zu sein;

- in der Ortskirche verwurzelt und

- bereit zu sein, kirchliche und öffentliche Dienste zu übernehmen;

- in allen Bereichen des täglichen Lebens durch Wort und Tat Zeugnis für eine

christliche Lebenshaltung abzulegen.

 

10. Unser Weg

 

Die Ritter und Ordensdamen vom Hl. Grab zu Jerusalem haben sich dazu entschlossen, im Geist des Ordens, getreu dem Evangelium und dem Ordensgelübde, den Pilgerweg des irdischen Lebens froh und zuversichtlich zu gehen, der vom Glauben bestimmt wird, von der Hoffnung getragen wird und in der Liebe seine Erfüllung findet.

 

"Lass uns miteinander auf dem Weg sein. Lass uns leben in und mit Deiner Kirche.

Lass uns selbst Kirche sein, wie du sie gewollt hast. Sei gepriesen in Ewigkeit!"

(aus einem Rittergebet)

 

Herzogenburg, 3. Juli 2010

 

Erzbischof Dr. Alois Kothgasser
Großprior

Propst Mag. Maximilian J. Fürnsinn
Ehrengroßprior

Hofrat DDr. Karl Lengheimer
Statthalter

(Neufassung, herausgegeben von der Statthalterei Österreich im Jahre 2010)