HABEMUS PATRIARCHAM


Der Heilige Vater Papst Franziskus hat heute Erzbischof Pierbattista Pizzaballa ofm zum neuen Lateinischen Patriarchen von Jerusalem ernannt. Der aus der italienischen Region um Bergamo stammende Franziskanerpater war zuvor bereits vier Jahre lang Administrator der katholischen Kirche des Heiligen Landes, zu der neben Israel und Palästina auch Jordanien und die Insel Zypern zählen.

Seit Wochen kursierten Gerüchte in Jerusalem über eine bevorstehende Ernennung eines Nachfolgers für den letzten amtierenden Patriarchen Fuad Twal (2008-2016); auch das Datum war sehr genau im Vorfeld genannt worden; Ende Oktober. Heute morgen sagte ich noch zu einer befreundeten Journalistin: Eigentlich wäre das Fest Unserer Lieben Frau von Palästina, das wir morgen feiern, ein sehr passender Termin, um den Gläubigen einen neuen Hirten zu geben.

Freilich stand der amtierende Administrator schon aus Gründen des comme-il-faut auf der 3er-Liste für den neuen Bischof; bloß hätten die wenigsten auf ihn getippt. Erzbischof Pierbattista hatte sich wiederholt dazu geäußert, dass er seine Aufgabe hier – die Konsolidierung der wirtschaftlichen und personellen Lage des Patriarchates – für beendet hält. Nun bleibt er – und das ist auch gut so.

Ungewöhnlich in der Geschichte des Heiligen Landes ist es dennoch.

Als Pierbattista Pizzaballa 2016 Fuad Twal ablöste, war er lange schon kein Unbekannter in der Stadt. Von 2004 an war er der „Kustos“ der im 13. Jahrhundert errichteten Franziskanerkustodie, der Oberste Hüter der Heiligen Stätten, in einem noch größeren Einzugsgebiet des Heiligen Landes von Aleppo im Norden Syriens bis zum Berg Mose im Süden der Sinai-Halbinsel.
Vor ihm wurde nur einmal, mit Alberto Gori ein früherer Franziskanerkustos anschließend zum Patriarchen erhoben (Kustos 1937 – 1949 / Patriarch 1949-1970).

Pizzaballa kannte Land, Leute, Region, Regierende, Probleme und Aufgaben nur zu gut. Zu gut, wie er selbst meinte: begeistert von seiner Ernennung war er selbst nie. Und machte leutselig auch nie ein Hehl daraus.
Eben dieses Leutselige wurde ihm zur Bahn in die Herzen vieler Menschen, die ihm anfangs skeptisch gegenüber eingestellt waren; ein Italiener aus der Ferne auf dem Stuhl des Patriarchen – das gemahnte an die Zeit der Kreuzfahrer und an die Zeit einer „Fremdbestimmung“ nach der Wiedererrichtung des Patriarchates im Jahre 1847. Es brauchte sieben Patriarchen italienischer Provenienz bis mit Michel Sabbah 1987 der erste Palästinenser diese Würde erlangen konnte. Das Volk jubelte. Und fühlte sich ungeliebt 2016.

Niemand vor Ort bezweifelt, dass Pierbattista seine Sache sehr gut gemacht hat; mit dem rechten Augenmaß und gleichzeitig unzweideutig tatkräftig. In nicht wenigen Belangen musste er Verkrustetes aufbrechen und Verirrtes einholen.
Aus sehr vielen und ganz unterschiedlichen Gründen ist es in Jerusalem alles andere als einfach, die Kirche Gottes zu führen, inmitten politischer Verwerfungen und gesellschaftlicher Herausforderungen, wie in unseren Tagen Covid-19.

Seine Seligkeit Patriarch Pizzaballa hat bewiesen, dass er es kann.
Beten wir für ihn.
Und Papst Franziskus danken wir für diese mutige Entscheidung!

Rektor Markus St. Bugnyár

Österreichisches Hospiz – Sozialfonds
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(Bankhaus Schelhammer und Schattera)

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