Maximilian Fürnsinn: Ein Mahner wird 80

 

Maximilian Fürnsinn, von 1979 bis 2019 Propst des Stifts Herzogenburg (Bezirk St. Pölten), wird am Dienstag, 5. Mai 2020, 80 Jahre alt. Der Augustiner-Chorherr fand in den letzten Jahrzehnten immer wieder offene und kritische Worte, zu Kirche, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
 
Maximilian Fürnsinn wurde am 5. Mai 1940 in Herzogenburg geboren. Er entstammt einer Fleischhauerfamilie, weshalb er nach dem Besuch der Volks- und Hauptschule im Ort eine Fleischerlehre absolvierte, obwohl er nach eigenen Angaben schon immer Priester werden wollte. Nach der Matura an der Aufbaumittelschule in Horn trat er in das Stift Herzogenburg ein. 1966 begann er ein Philosophie- und Theologiestudium an der Ordenshochschule in Klosterneuburg (Bezirk Tulln). 1972 folgte ein Theologiestudium an der Universität Wien.
 
Im Stift Herzogenburg war er zunächst als Kaplan, Novizenmeister und Bauamtsdirektor tätig. Am 18. April 1979 wurde Fürnsinn zum 68. Propst des Stiftes Herzogenburg gewählt. Am 2. Juni folgte die Abtweihe. Sein Wahlspruch ist „Christus, qui habitat in nobis“ („Christus, der in uns wohnt“). 1989, 1999 und 2009 wurde Fürnsinn jeweils für zehn Jahre wiedergewählt. Von 1998 bis 2013 war er auch Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.
 
Im April des Vorjahres trat Fürnsinn zur Propstwahl nicht mehr an. „Es gibt keinen besonderen Grund, aber meine Amtszeit geht nach vier Jahrzehnten zu Ende und da wird es Zeit, hier einen Wechsel vorzunehmen“, sagte der damals 78-Jährige. „Worüber ich mich besonders freue ist, dass wir eine sehr konsolidierte Gemeinschaft geworden sind“, meinte er.

„Totale Ökonomisierung einer Gesellschaft hintanhalten“

Maximilian Fürnsinn nahm sich nie ein Blatt vor dem Mund und meldete sich immer dann zu Wort, wenn er überzeugt war, dass es notwendig sei, wie etwa zum Thema Wirtschaft. „Für mich ist es wichtig, dass die totale Ökonomisierung einer Gesellschaft hintangehalten werden muss“, so Fürnsinn im Jahr 2013. „Eine Wirtschaft, die ununterbrochen nur auf das Wachsen angelegt ist, ist eine Wirtschaft, die sich selbst zugrunde richtet. Wir haben das ja gesehen. Es muss der soziale Aspekt eine ganz große Rolle spielen. Eine Wirtschaft, die sich da abkoppelt, ist eine Wirtschaft, die in den Ruin führt.“
 
Die Kirche müsse ihren Einfluss auf die Gesellschaft stärker nützen, um klare Worte zu sprechen, sagte er in diesem APA-Gespräch vor sieben Jahren. Und die Politik müsse den Religionen und andere gesellschaftliche Gruppierungen mehr zuhören. „Also eine gewisse Arroganz von Politik hängt mir zum Hals heraus.“ Aber Fürnsinn glaubte an eine Besserung: „Ich bin überzeugt, dass die krisenhaften Szenarien, die wir heute haben, zu einem Umdenken führen.“

Fürnsinn glaubt nicht an eine Krise der Kirche

In seinen 2012 erschienenen autobiografischen Betrachtungen „Leben, einfach Leben“ zeichnete Fürnsinn nicht nur seinen Lebensweg nach, sondern lieferte auch Fakten zum „Mikrokosmos“ Kloster, insbesondere zum Leben im Stift, das auch häufig idealisiert werde. In dem im Styria Verlag publizierten Buch ging es aber auch um aktuelle Fragen. So riet er der Kirchenleitung, keine Angst vor dem Dialog mit Reformgruppen zu haben. Der prominente Geistliche meinte aber auch, dass nicht alle aufgeworfenen Probleme gleichzeitig zu lösen seien. Zudem kritisierte er, „dass sich seit dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle Sprache und Verhalten der Kirche gegenüber merkbar verändert haben, nämlich in Richtung ‚aggressiver‘“.
 
Fürnsinn glaubte in dem Buch nicht an eine „Krise“ der Kirche. So mancher Austritt sei „heuchlerisch“, beim Thema Missbrauch werde zudem mit zweierlei Maß gemessen. Den Zölibat verteidigte der Propst zwar, meinte aber: „Mein Zugang dazu ist, dass ich grundsätzlich für dessen Beibehaltung bin, dass aber bewährte verheiratete Männer im Einzelfall da und dort durchaus zum Priester geweiht werden können.“
 
„Ich muss bei mir selbst daheim sein“

In einem am 26. Dezember 2015 in der Tagsezeitung „Der Standard“ erschienenen Interview stellte ihm Renate Graber die Frage „Sie kritisieren, wir seien maßlos geworden und beantworten die Kernfragen im Leben nicht mehr. Warum ist das so?“.
 
Fürnsinns Antwort darauf: „Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was treibt mich? Wozu das alles? Das fragt sich jeder, und die Antworten gibt er damit, wie er lebt. Aber wenn sich der Mensch zu seinem eigenen Maßstab macht, wird das immer schwieriger. Es fehlt uns die innere Dimension, wir sind unglaublich veräußerlicht geworden. Ich halte es, nicht überraschend, mit Augustinus. Er sagt: Der Mensch ist ein Wesen der Heimkehr – zu sich selbst und zu Gott. Einfach gesagt: Wir müssen immer wieder zurück, in unsere eigene Mitte, ich muss bei mir selbst daheim sein. Das fällt heute vielen schwer. Darum gibt es so viele Ausgeflippte, Exotische. Aber mir gefallen diese Bunten auch; manchmal bin ich selbst so.“
 
(c) Reinhard Linke, noe.ORF.at
 
 

 

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