Kontureiabend am 22. Oktober 2019

Vortrag von Hofrat Dr. Fritz Staudigl:
„Europa eine Seele geben – die EU als Wertegemeinschaft“

Am 22. Oktober fanden sich rund 30 Mitglieder der Komturei Innsbruck zum Komtureiabend ein, der mit einer von unserem Prior, Bischofsvikar Msgr. Mag. Jakob Bürgler, zelebrierten hl. Messe in der Stiftskirche begann.

Anschließend  befasste sich nach der Begrüßung unserer Kanzlerin Inge Sigl unser neues Ordensmitglied, der Vorstand Abteilung Südtirol, Europaregion und Außenbeziehungen im Amt der Tiroler Landesregierung, Hofrat Dr. Fritz Staudigl, mit dem aktuellen Thema “Europa eine Seele geben - die EU als Wertegemeinschaft“.

Schon eingangs wies der Vortragende darauf hin, dass die EU eine geschichtliche, kulturelle und moralische Identität braucht; erst danach kommen die Aspekte einer geographischen, wirtschaftlichen und politischen Identität. Die Menschen müssen im Mittelpunkt des europäischen Einigungsprojekts stehen. Europas große „Macht“ beruht ganz wesentlich auf der Kraft von Europas Leitwerten, in deren Mittelpunkt eben der Mensch steht. Die Globalisierung schreitet voran und damit steigen die Globalisierungsängste der EU-Bevölkerung. Daher ist es besonders wichtig, dass sich Europa seines inneren Kompasses, also seiner „Seele“ besinnt.

Die Gründungsväter der EU Robert Schuman, Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi sprachen vom Bedarf eines gemeinsamen Fundaments für das „neue Europa“, bestehend aus den zentralen Inhalten des Christentums: Menschenwürde, Frieden, Solidarität und Subsidiarität. Deshalb sind auch die Werte Europas ganz tief in der christlichen Tradition verwurzelt. Somit ist das Bewahren der christlichen Wurzeln Europas ein wesentlicher Beitrag zu einer gemeinsamen europäischen Identität und zur Beantwortung der Frage nach der Finalität der europäischen Integration.

Nach der Erwähnung der rechtlichen Verankerung von Werten und Grundrechten im EU-Recht und der Werte in der Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofes stellte sich Hofrat Dr. Staudigl die Frage wie Christen und kirchliche Organisationen ihre Wertvorstellungen in den Meinungsbildungsprozess der EU einbringen können. Er meinte,  dass sich die Christen Europas mehr als bisher an die (Re)Konstruktion Europas schreiten und sich in die europäische Meinungsbildung mit humanen und sozialen Lösungen aktiv und konstruktiv einbringen müssen. Dazu kommt das Mitwirken an einer von Menschenwürde und Solidarität geprägten EU und Welt. Das Christentum ist weiterhin die größte Konfession in der EU. Dementsprechend können christliche Kirchen einen wesentlichen Anteil der Bevölkerung vertreten. Staudigl hob in diesem Zusammenhang das Lobbying, das eine wesentliche Funktion im europäischen Entscheidungsgeflecht hat, hervor: Lobbyismus ist ein Element der demokratischen Meinungsbildung in der EU. Daran nehmen auch die christlichen Gemeinschaften in Brüssel teil und sprechen insbesondere für jene Menschen, die leicht vergessen werden, weil sie keine Lobby hinter sich haben. Dazu kommt  die laufende formelle und informelle Einbringung in die europäische Debatte mit Vorschlägen und Forderungen, die von den christlichen Werten getragen sind. Wir müssen uns also der kulturellen Wurzeln und Grundlagen europäischen Denkens und Handelns bewusst sein und sie pflegen, wie sie sich über Jahrhunderte entwickelt haben. Besonders in Zeiten von Risikogesellschaften mit unsicherer Zukunft sind Ethik und Werte im menschlichen Zusammenleben von besonderer Bedeutung, weil sie für die immer komplexer werdenden Gesellschaften eine humane Orientierung bieten.

Gefordert ist heute eine Ethik, die auf gesellschaftliche Entwicklungen eine brauchbare Antwort zu geben vermag. Hierbei geht es vordringlich um eine kritische Weiterentwicklung des Aufklärungsdenkens und die Zusammenführung wissenschaftlicher Welterkenntnis mit ethischem, verantwortungsvollem Handeln. Während andere Kulturen ihre Identität zur Schau stellen und bis ins Letzte verteidigen, manche sogar versuchen, der ganzen Welt ihren Stempel aufzudrücken, zeigen wir Europäer wenig selbstbewusstes Profil, insbesondere nach außen der globalisierten Welt und den anderen Weltmächten gegenüber. Dabei haben wir keinen Grund, uns vor anderen Kulturen zu verstecken. Die EU muss sich ihrer Stärke besser bewusst werden, die in den ihr innewohnenden Werten liegt: Menschenwürde und Menschenrechte, Friede, Freiheit, Stabilität und Wohlstand, Demokratie, Toleranz, Respekt vor Vielfalt und Subsidiarität, Streben nach dem Gemeinwohl, Solidarität.

Hofrat Staudigl schloss mit den Worten: “Selbst im Zeitalter des Säkularismus gibt es daher heute große Aufgaben für das Christentum in Europa. Die Schlüsselprinzipien der Soziallehre, die Option für die Armen und das ökologische Bewusstsein können ein großer Beitrag zur positiven Entwicklung sein“.

Heinz Wieser

Die Bemühungen zur Gründung der Komturei Innsbruck gehen auf die Mitte der 60er Jahre zurück. Dem Großprior Weihbischof DDr. Jakob Weinbacher gelang es - nach vielen Gesprächen - den Abt von Wilten Prälat Alois Stöger für den Orden zu gewinnen. Zu dieser Zeit lebten in Tirol bereits Ordensritter, wie etwa Bürgermeister DDr. Alois Lugger, Minister a. D. Univ. Prof. Dr. Ernst Kolb, Hofrat Dr. Karl Psenner, Abg. z. NR Franz Kranebitter, Konsul Dr. Otto Färber und Univ.Prof. Dr. Clemens-August Andreae.

Für die geplante Komturei Innsbruck wurden dann gezielt Präsident Hans Astner, KR Ing. Martin Huter, RA Dr. Alfons Leuprecht, KR Josef Stanger, Stadtrat KR Dr. Theodor Seykora und Landtagspräsident Dir. Josef Thoman angesprochen und gewonnen.

1968 kam es dann zur Komtureigründung. Die Treffen der Ordensmitglieder finden seit damals regelmäßig im Stift Wilten statt. Derzeit gehören drei Damen und 57 Ritter der Komturei an.

 

Leitende Komture:
Bürgermeister DDr. Alois Lugger † 1968 - 1989
Generaldirektor Dr. Günther Schlenck † 1989 - 1997
Hofrat Direktor Dr. Gerhard Rief 1997 - 2005
Baumeister Ing. Engelbert Pfurtscheller 2006 - 2015
Prokurist Thomas Steixner 2016 -


Priore:
Prälat Abt Alois Stöger † 1968 - 1996
Prälat Abt Raimund Schreier 1996 -
Investituren:
Innsbruck 1978, Innsbruck 1988, Innsbruck 1999, Innsbruck 2009, Innsbruck 2019

© 2019 Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem, Statthalterei Österreich
GebetszeitLinksE-MailImpressumDatenschutz